Ich weiß, dass man solche Entscheidungen allein treffen muss, aber mich interessieren die Erfahrungen und Ansichten anderer sehr.
Vor einem Jahr hat sich mein Freund von mir getrennt, nach einer achtjährigen, für beide sehr glücklichen Beziehung. Der Trennungsgrund waren damals seine eigenen Probleme, er litt lange und immer stärker an einer Depression, die ihn mehr und mehr von mir abhängig gemacht hat, ohne mich in seiner Nähe zu wissen hatte er Angst das Leben, den Alltag nicht zu schaffen. Irgendwann hat er diese Abhängigkeit nicht mehr ertragen, er musste endlich wissen, dass er sein Leben auch alleine packen kann. Er musste sich schließlich trennen um gesund zu werden. Das ist er geworden und nun, seit einigen Monaten möchte er mich wieder zurück, denn nachdem diese Abhägigkeit verschwunden ist, ist in ihm nun die Liebe geblieben, die er für mich empfindet.
Und ich? Ich konnte plötzlich nicht zurück. In der Beziehung damals, habe ich mich immer gut gefühlt, dass ich für ihn da war, war nie eine Frage für mich. Ich habe ihn geliebt und es war klar, dass ich da war. Dann aber, nachdem es mir eine Weile nach der Trennung sehr schlecht ging habe ich angefangen mein Leben ganz neu anzupacken. Habe meine Freundschaften viel intensiver gepflegt, neue Leute kennengelernt, bin in eine tolle neue WG gezogen, und habe einige Männer kennengelernt, die mir das Gefühl gegeben haben eine tolle Frau zu sein. Das hat mir mein Freund auch immer gegeben und tut es auch heute, aber es ist ein anderes Gefühl wenn man diese Bestätigung plötzlich auch von außen bekommt. Ich war während des letzten Jahres nie fähig eine neue Beziehung anzufangen, zweimal habe ich längere Geschichten angefangen, aber gleich am Anfang gesagt, dass nichts festes daraus werden kann. Zu sehr war immer mein Ex-Freund in meinem Herzen. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich Menschen mit diesem Verhalten verletzen kann. Ich war wirklich so naiv und habe mir nicht vorstellen können, dass andere Menschen wegen mir leiden können. Bisher hatte immer nur ich gelitten, ich war es immer die verlassen wurde. Es war wirklich eine Einsicht, die ich erst gewinnen musste.
Was ich vor allem sagen will ist, dass ich plötzlich in einem wunderbaren Leben steckte, dass ich mir ganz allein aufgebaut hatte. Das mir gehörte und in dem ich ich wirklich sehr wohl gefühlt habe und auch immer noch fühle. Durch die Trennung bin ich darauf gestoßen, dass ich in meiner Beziehung viele Seiten an mir verloren hatte, viele Wünsche nicht als solche erkannt habe sondern als unklare Bedürfnisse, die immer im Hintergrund geblieben waren und sich nicht gezeigt haben. Ich habe mich in meiner Beziehung, die ich immer als glücklich angesehen habe im Nachhinein betrachtet ein ganzes Stück selber verloren. Die Trennung, für die ich meinem Ex-Freund nun im Nachinein sehr dankbar bin hat mich wieder zu mir selber geführt.
Vor etwa sieben Monaten habe ich dann einen Mann kennengelernt, mit dem ich zunächst nichts anfangen wollte, weil ich bald gemerkt habe, dass man mit ihm nicht leichtfertig umgehen darf. Ein toller Mensch, mit dem es nach einigen Monaten langsamen Kennenlernens schließlich doch zu mehr kam. Als wir dann darüber geredet haben wie der andere sich jeweils die Beziehung zueinander vorstellt hat er gesagt, dass er sich darüber gar keine Gedanken macht, dass er einfach die Zeit mit mir genießt und gucken möchte wie sich das alles entwickelt. Diese Einstellung hat mir natürlich gefallen und mich sehr erleichtert und nur so konnte die Geschichte überhaupt weiterlaufen. Wir haben sehr viel zusammen unternommen, haben unheimlich viel Spaß miteinander gehabt und passen einfach wunderbar zusammen. Bis ich plötzlich das Gefühl hatte, dass unsere Beziehung an einem Punkt angekommen ist, an dem sie eben doch eine richtige Beziehung geworden war. Außerdem kamen Zeichen von ihm, die mir gezeigt haben, dass von seiner Seite aus mittlerweile tiefe Gefühle im Spiel sind. Das hat mich plötzlich abgeschreckt, in meinem Kopf und in meinem Herzen herrschte die totale Verwirrung, denn im Grunde habe ich oft gedacht, dass ich gar nicht in die seine Arme, sondern in die Arme von meinem Ex-Freund gehöre. Trotzdem hat mich die Angst in mein altes Leben zurückzufallen und mich wieder ein Stück zu verlieren immer davon abgehalten zu ihm zurückzukehren.
Ich weiß, komplizierte Geschichte. Es gab dann ein Treffen zwischen mir und meinem Ex-Freund, in dem ich ganz klar gesehen habe, dass ich, wenn ich nochmal eine Chance mit ihm haben will, diese bald ergreifen muss. Denn sonst zerstöre ich ihn mit meiner Unentschlossenheit und er geht weg von mir um sich selbst zu schützen. Wir waren das ganze Jahr über in Komtakt gewesen und ich hätte es auch nie zugelassen diesen Kontakt abbrechen zu lassen, der Gedanke, dass mein ExFreund aus meinem Leben verschwinden könne war und ist für mich unerträglich. Ich habe ihm also gesagt, dass ich es nochmal versuchen würde. Langsam anlaufen lassen und sehen wie es sich anfühlt. Sofort habe ich die Beziehung zu dem "neuen" Mann abgebrochen. Der mir da das erste Mal gesagt hat, dass er mich liebt, der auf mich wartet und sich in meinen Augen wunderbar verhält, denn ich bin mir eben nicht sicher ob es in meinem Leben dieses Zurück zu meinem Exfreund geben kann oder ob ich den neuen Weg mit dem neuen Mann gehen muss. Beide versuchen alles um sich "richtig" zu verhalten. Setzen mich nicht unter Druck, geben mir Zeit, respektieren meine Entscheidungen und sind mir nicht böse , (was ich manchmal sehr ungläubig realisiere). Ich habe beiden gegenüber ein furchtbar schlechtes Gewissen wegen dieser Unentschlossenheit, dem neuen Mann möchte ich eigentlich zeigen, dass meine Entscheidung gegen unsere Beziehung feststeht, denn ich brauche das Gefühle eine konkrete Entscheidung getroffen zu haben und auch ihm gegenüber ist es unfähr etwas anderes zu sagen und ihn dann vieleicht doch wieder enttäuschen zu müssen. Ich glaube nur so kann ich endlich merken welcher Weg sich für mich richtig anfühlt.
Ich möchte beiden nicht weh tun, sondern im Gegenteil, beide glücklich sehen und doch bedeutet das Glück des einen das große Unglück des anderen. Und dass sich eben beide in meinen Augen so toll verhalten, beides einfach auch wunderbare Menschen sind, macht es mir so schwer einen konkreten Weg endlich mal konsequent zu verfolgen. Jetzt weiß ich also nicht wie und ob ich die alte Liebe neu aufrollen soll oder ob ich sie endlich abschließen muss um frei für eine neue Beziehung zu sein. Zum Beispiel habe ich gar kein Verlangen mit meinem Ex-Freund zu schlafen. Was sagt das denn aus? Das ich ihn nur noch als Menschen liebe aber nicht mehr als Mann? Vielleicht sind auch diese Gefühle vergraben und ich komme nur nicht dran? Ich bin völlig verwirrt. Gibt es einen Rat, außer dem der mir sagt ich muss erst mich selber finden denn das versuche ich ja schon eine ganz Weile.Vielleicht ähnliche Erfahrungen? Habt ihr vielleicht einfach nur eine Mainung zu dieser Geschichte? Ich bin gern auch bereit mir mal ordentlich die Meinung sagen zu lassen, denn merkwürdigerweise kritisiert mich in meinem Umfeld niemand so richtig für mein Verhalten. Ich würde es glaube ich mal ganz gut finden wenn mir jemand sagt, dass ich mich unmöglich verhalte.