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| EQ: ''Bewusste und unbewusste Wahrnehmung'' oder Einblicke in ''unsere'' Realität |
[Mittwoch, 30.Januar. 2002 @ 16:56:53 CET] |
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Geschrieben am Mittwoch, 30.Januar. 2002 @ 16:56:53 CET von Kai
Erstellt von Kai |
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Warum hören wir nicht was gesagt wurde und warum sehen wir nicht das für uns doch so "Wesentliche", obwohl wir doch versprechen zuzuhören oder gar genau hinzusehen. Wir bemühen uns, aber reden anscheinend aneinander vorbei. Wir führen stundenlange Dialoge, aber hinterfragen nicht wenn wir Antworten suchen
... weil es uns nicht bewusst wird und unsere "Regulatoren" im menschlichen Gehirn diese Informationen vorenthalten. Das heißt, die durch die fünf Sinnesorgane gewonnenen Eindrücke sind bereits zensiert wenn sie in unsere "bewusste Wahrnehmung" eintreten und daran können wir auch fast nichts ändern.
Wir tilgen und verdrängen !
Die Kapazität unseres Bewusstseins ist begrenzt, ein Großteil der wahrgenommenen Informationen wird ständig getilgt. Die Fähigkeit zur Tilgung ist außerordentlich nützlich, denn sie ermöglicht erst die Konzentration. Durch die Tilgung von Informationen können wir unsere Aufmerksamkeit, selektiv bestimmten Dimensionen unserer Erfahrung zuwenden und dabei störende Eindrücke ausschließen. Dieser Prozess erlaubt es, das Bewusstsein zu fokussieren und uns auf einen bestimmten Ausschnitt des Erlebens zu konzentrieren. So können wir uns zum Beispiel auf einer lauten Party trotzdem auf ein Gespräch konzentrieren, weil die übrige Geräuschkulisse automatisch getilgt wird. Erst wenn ein Schlüsselreiz, wie zum Beispiel der eigene Name an das Ohr dringt, wird die automatische Tilgung unterbrochen und die Aufmerksamkeit neu ausgerichtet. Die selektierende Funktion der Tilgung ermöglicht es, in unserer hektischen Welt zu bestehen und nicht von Außenreizen überwältigt zu werden. Ohne die Fähigkeit zur Tilgung von Informationen, wäre der Mensch der allgegenwärtigen Reizüberflutung hoffnungslos ausgeliefert. Nützlicherweise wählt ein "Zensor" diejenigen Informationen aus, die für uns relevant sein könnten. Dies führt natürlich auch zu Problemen und Einschränkungen in unserer Wahrnehmung und das ist immer dann der Fall, wenn wir Eigenanteile an Konflikten oder Beziehungen tilgen und die Verantwortung gänzlich dem anderen zuschieben. Man erkennt es immer daran, wenn mein Gesprächspartner fragt: ... hast Du mich überhaupt verstanden ? ... ist Dir klar was das bedeutet ?
Hinterfragen heißt immer, meine Info ist nicht eindeutig rübergekommen und nun liegt es an mir, einen anderen Zugangsweg zu suchen und den Dialog neu aufzubauen, um diese Missverständnisse auszuräumen.
Wir pauschalieren, übertreiben und verallgemeinern !
Wenn wir in einer konkreten Situation etwas gelernt, erfahren oder empfunden haben, dann können wir in Zukunft in allen Situationen, die ähnliche Merkmale aufweisen, das Erfahrene anwenden. Dadurch ersparen wir uns viele mühevolle Experimente. Es vereinfacht auch die konstruktive Denkweise, weil wir nicht mühevoll detaillierte Zahlen und Fakten wiedergeben müssen, sondern uns auch mit Pauschalen helfen können. So nutzen wir oft die Sätze wie: ... das sagt doch jeder ... das meinen doch alle ... das ist immer so ... Wir müssten jetzt mühsam hinterfragen, was denn "alle" heißt oder was mit "immer" gemeint ist. Dies tun wir aber meistens nicht, obwohl es uns unangenehm im Gedächtnis bleibt. Wir akzeptieren es als Übertreibung und werten es als "Redensart", obgleich wir genau wissen, dass mit "alle" nur einige gemeint sind und mit "immer" nur gelegentlich ausgedrückt wird.
Auch soziale Vorurteile sind Formen der Pauschalierung. Dabei werden Menschen aufgrund der Herkunft, Beruf und Aussehen in bestimmte Kategorien eingeordnet. Derartige Vorurteile mögen vielleicht manchmal zutreffen, oft nimmt man sich jedoch die Chance, die Qualitäten des anderen wirklich zu erkennen und dies führt dann zu psychischen Einschränkungen. Es liegt einfach daran, dass wir den Menschen auf unserer "inneren Karte" nicht differenziert genug abgebildet haben und auch dann negative Erfahrungen auf diejenigen, die diesem Verhaltensmuster entsprechen, projizieren. Das Unbewusste kann noch nicht detailliert unterscheiden, weil wir es nicht zulassen. Es kostet viel Kraft und erfordert eine Menge Objektivität, Menschen in ihrer individuellen Wertigkeit zu sehen und zu lassen, aber es hilft uns auch bei der Orientierung in unserer Umwelt und stellt eigentlich eine Bereicherung dar.
Wir verzerren und unterstellen !
Wenn ich um 13.47 Uhr hier losfahre, dann könnte ich so um 17.23 Uhr da sein. Ach, Du fährst mit der Bahn ? Nein, habe ich das gesagt ? Natürlich spricht kein Mensch von diesen Uhrzeiten, wenn er nicht tatsächlich auch mit der Bahn fährt, aber spannend ist doch, dass wir automatisch die Bahnfahrt unterstellen, wenn wir bereits diese Form der Uhrzeit hören. Wir kämen überhaupt nicht auf die Idee zu hinterfragen, aber wir sollten es, weil auch unsere Erfahrungswerte nicht immer anwendbar sind. Durch die Verzerrung wird das Abbild der Realität in seinen Einzelheiten umgestaltet. Prinzipiell bewirkt jede menschliche Phantasie eine Verzerrung der Wirklichkeit. Unsere Vorstellungskraft ermöglicht es, die realen Sinneseindrücke im Geiste neu zu formieren. Genaugenommen geschehen im Gehirn des Menschen ständig kreative Prozesse, denn die begrenzte Frequenz, auf der unsere Sinnesorgane Informationen empfangen, nötigt uns Menschen dazu, die tatsächliche Realität in unseren Köpfen anhand von fragmentierten Reizen zu konstruieren. Dieses kreative Konstrukt ist unsere innere Orientierungskarte und eine wertvolle Ressource. Sie kann aber auch zu Problemen führen. Negative Verzerrungen können die eigene Lebensqualität einschränken. Mangelndes Selbstwertgefühl zum Beispiel, indem sich der Mensch für nicht mehr liebenswert hält und sich nur auf seine eigenen Interpretationen verlässt, verzerren alle Rückmeldungen zu seiner Person durch diesen Filter. Man fühlt sich ungeliebt und ist frustriert und Zweifel an dem "Ego" können bis zu Selbstaufgabe führen. Man erkennt die Verzerrung immer dann, wenn Sprache oder Schrift verniedlicht bzw. in plötzlich einsetzender Dialektform gesprochen oder geschrieben wird, weil sich dadurch eine gewisse Souveränität oder Gleichgültigkeit widerspiegelt. Beispiel: ... "nööööö" das ist "net" so. Man kann dies auch als Trotzreaktion bezeichnen.
Achtet auch einfach mal darauf, wie oft die Worte Mitgefühl und Mitleid verzerrt, ja gar gänzlich verwechselt werden. Das sind zwei völlig verschiedene Welten.
Welche Erkenntnisse ziehen wir daraus ?
Unbewusst speichern wir nahezu alle Wahrnehmungen und Informationen ab, aber beim Abholen der "Wahrnehmung" nehmen wir nur bis zu sieben Dinge gleichzeitig auf, der Rest unterliegt den "Regulatoren" und wird getilgt, pauschaliert oder verzerrt. Dies führt dann unweigerlich zu Missverständnissen und Vorurteilen in der Kommunikation, also stört das höchste "Gut" des Menschen und allzu oft nehmen wir das unwissentlich hin, ohne auch nur mit einfachen und klaren Sätzen bei meinem jeweiligen Partner nach dem Grund zu fragen.
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| Re: ''Bewusste und unbewusste Wahrnehmung'' oder Einblicke in ''unsere'' Realität (Punkte: 1) von nenunikat am Mittwoch, 11.September. 2002 @ 21:19:30 CEST (Userinfo | Artikel schicken) | Warum hören wir nicht was gesagt wurde und warum sehen wir nicht das für uns doch so "Wesentliche" ... ?
Es ist nicht nur Verdrängung, Vorurteil und eingeschränkte Wahrnehmung im Spiel.
Es gibt für die Frage auch noch andere, zusätzliche Antworten.
Es spielt sehr oft eine Rolle, was uns gerade wichtig ist. Dies beeinflußt auch das Verstehen von Dingen, die mit unseren aktuellen Zielen oftmals recht wenig zu tun haben.
Dazu kommt, daß manche under dem gleichen Begriff schon rein abstrakt-logisch etwas Anderes verstehen. Weils sie die Bedeutung eines Begriffs anders erlernt haben und mit anderen Erlebnissen verbinden.
Diese zwei "Dinge" spielen für mein Dafürhalten auch eine Rolle für Mißverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten. |
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