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Wer kann schon von sich behaupten emotional intelligent zu sein? Das müssten dann eigentlich Menschen sein, die ihre Gefühle erfolgreich unterdrücken, sie nicht zulassen, oder eingegraben haben, irgendwo, dort wo niemand sie jemals finden kann.
Vielleicht irre ich mich auch und emotionale Intelligenz ist etwas, dass nur ganz besonderen Menschen vorbehalten ist und die breite Masse sind emotionale Idioten...so wie ich. Ich wäre wahrscheinlich emotional debil, denn ich lebe in Gefühlsträumereien.
Ich denke immerzu an diesen Fremden in der U-Bahn, ein junger Mann der zwei Mal gegenüber von mir gesessen ist und dessen Carisma mich so beeindruckt hat, dass ich ihn so deutlich vor mir sehe, als sähe ich ihn jeden Tag. Alles habe ich mir eingeprägt. Seine Augen, seinen Mund, seine beige Cordhose, seine Armani-Tasche. Wie ist sein Name? Er sieht aus wie ein Robert, ein Thomas, ein Christian. Und was ist sein Beruf? Er ist Musiker, wahrscheinlich ein Geiger, der sanft über die Saiten streicht und von all seinen Lehrern hochgelobt wird. Er wohnt in einer Wohnung, die eigentlich viel zu groß für ihn ist. Er hat viele weiße Möbel darin stehen, auch die Wände sind weiß. Er ist ein chaotischer Mensch, mein Robert, Thomas, oder Christian. Seine Mutter kommt einmal die Woche zu ihm um aufzuräumen, sonst würde er wahrscheinlich an seinen Blättern voller Noten ersticken. Er geht gerne in die Pizzeria essen und außerdem trifft man ihn auch ab und zu in einer Disco. Aber nicht allzu oft, viel lieber sitzt er inmitten seines Wohnzimmers auf dem Boden und komponiert, oder steht am Fenster und spielt Geige und wartet. Auf mich? Nein, er kennt mich nicht und das verrückte ist: ich kenne ihn auch nicht. Hmmm...wahrscheinlich ist sein Name Alex, er ist Bankangestellter, ernährt sich von Wurstsemmeln und sein einziges Hobby ist es vor dem Fernseher Fußball zu schauen.
Vielleicht also besser, dass ich ihn nicht kennen lerne.
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