Kopf oder Bauch? Hallo allerseits! Ich bin auf der Suche nach der Antwort, ob man einen Seitensprung verzeihen kann, oder nicht.
Mit Sicherheit muß man den Vorgang im Detail betrachten, um ein Urteil fällen zu können. Im konkreten Fall hat mein Freund, der beruflich für zwei Wochen nach Brasilien musste, sich verabschiedet wie immer. Küsse und Liebesbezeugungen, ‚ich vermisse Dich’ – also alles ganz normal. Eine Woche später ruft er an und teilt mir mit, dass er aufgrund eines unschlagbar günstigen Angebots noch eine Woche Urlaub dranhängt. Die Art und Umfang des Anrufs lässt die weibliche Intuition bereits aufhorchen, vor allem vor dem Hintergrund, dass er bei bisherigen Auslandsreisen immer froh war, nach Hause zu kommen.
Wie bereits geahnt ergibt sich, dass er mind. 3 Nächte mit einer mir unbekannten Frau in Chile Urlaub macht. Es entsteht der Eindruck, dass die beiden sehr sehr liebevoll und harmonisch miteinander umgehen - was in den letzten Wochen unserer Beziehung nicht der Fall war.
Wir hatten dauernd Streit, mehr als einmal habe ich darüber nachgedacht, ihn einfach rauszuschmeißen. Er ist ein ‚passt schon’-Mensch bei allem was er tut, ich mehr die absolut logische, 110 %- Frau, die ihren Perfektionismus als Maß aller Dinge sieht.
Rein kopfmäßig also eine einfache Entscheidung – lass ihn gehen, you’re better off without him.
Nur das Gefühl spielt bei dieser Entscheidung nicht mit. Bin ich nur eifersüchtig und verletzt? Oder liebe ich ihn wirklich? Was, wenn sich in drei oder vier Wochen rausstellt, dass er Mr. Right gewesen wäre?! Aber wäre er Mr Right gewesen, hätten wir dann soviel gestritten?!
Die Entscheidung wird also logischerweise davon abhängig gemacht, wie er reagiert wenn er nach Hause kommt. Er weiß zu 99 %iger Wahrscheinlichkeit nicht, dass ich weiß dass er nicht alleine war. Also abwarten – was wird er sagen. Wird er es zugeben, die Schuld den Streitereien geben, der Sonne Brasiliens, oder wird er es verschweigen?
Aber sollte die Entscheidung für oder gegen einen Menschen nicht unabhängig von seiner Argumentation fallen? Klar, dass sich jeder Mensch so positiv verkauft wie nur möglich – dafür sind wir alle Mensch genug. Wichtig ist doch nur, was ich fühle? Oder was ich denke? Die Hoffnung spielt hier zusammen mit dem verletzten Ego vielleicht eine Rolle, die die Basis für eine Entscheidung anders erscheinen lässt, als sie vielleicht ausgesehen hätte, wenn er nicht fremdgegangen wäre.
Oder ist es ‚nur’ die Angst vor dem alleine sein?
Kann man Vertrauen in einen Menschen, der einen abgrundtief verletzt hat, wieder lernen? Als Mensch, der sich sowieso schwer tut, anderen zu vertrauen, ihnen seine Gefühle zu vermitteln? Oder wäre eine Fortführung der Beziehung immer geprägt von Misstrauen und üblen Gedanken in jedem Moment, in dem der andere nicht bei einem ist, und dadurch vom Neu-Anfang an zum scheitern verurteilt?
Der Verstand sagt, vergiß ihn. Ihr habt euch sowieso nicht richtig verstanden, ihr seid zu unterschiedlich, er benimmt sich oft wie ein kleines Kind – daher endet jede Diskussion in einem verletzenden Streit.
Das Gefühl sagt, aber vielleicht war er einfach nur verzweifelt und hat Halt gesucht, vielleicht war die Harmonie auf Zeit zu verlockend.
Und nun?!
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