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Beziehung: Midlife Crisis und die Folgen ... [Freitag, 15.Juni. 2007 @ 17:49:31 CEST]
Geschrieben am Freitag, 15.Juni. 2007 @ 17:49:31 CEST von macmewes
Erstellt von macmewes
Beziehung Um es gleich vorweg zu nehmen:
Ich stecke wahrscheinlich mittendrin und möchte gerne wissen, ob eventuell jemand anderem Ähnliches passiert ist. Ich bin bereits auf dem Sprung in die Therapie, aber manchmal frage ich mich, warum Dinge passieren, wie sie passieren.


Hallo,

Der Normalfall wäre sicherlich folgender gewesen (Kurzfassung):
Verheirateter Mann trifft andere Frau, ein Flirt, noch einer, kleine Bettgeschichte, vielleicht nochmal, Thema durch, Mann geht wieder zu seiner Frau.

Bei mir war es jedoch anders:

Ich bin seit einigen Monaten selbstständig und arbeite von zuhause. Meine Frau (47) und ich (37) sind seit 1,5 Jahren verheiratet und seit 1999 zusammen. Meine Frau geht jeden Tag raus ins Büro.
Mit der Zeit ändert sich ja alles in einer Beziehung, das Kribbeln im Bauch verschwindet, der Sex schlief komplett ein, aber dies alles schuf Platz für Gefühle, die man mit Vertrautheit, Verlässlichkeit, wirklich tiefer Freundschaft dennoch Liebe nennen kann.

Bis vor ca. 8 Wochen war die Welt völlig in Ordnung.

Ich bin schon seit längerer Zeit immer mal morgens in ein Cafe gegangen und habe vor meiner Arbeit einen Kaffee getrunken und ein Brötchen gefuttert. Das hat mir den Schwatz mit Kollegen ersetzt, den ich ja nun nicht habe.
Dabei ist es dann passiert, daß ich eine Frau (30) kennengelernt habe und wir einfach nur nette Gespräche hatten. Sehr anregend und es wurde auch geflirtet. Wie halt auch im Büro manchmal, nichts Schlimmes.

Nun hat es sich jedoch ergeben, daß ich mich immer mehr auf die Treffen gefreut habe und traurig war, wenn ich sie nicht angetroffen hatte. Also bin ich hingegangen und habe diese Treffen herausgefordert und auch sie war "Frühstücksdates" nicht abgeneigt. Es hat richtig Funken geschlagen irgendwann, aber um die Neuiger der werten Leserschaft gleich zu befriedigen und auf den Boden der Tatsachen zu bringen: Wir waren nicht im Bett miteinander. Das war nie mein Ziel, das müßt ihr mir schon glauben.

Es hat jedenfalls so heftig gefunkt, daß sich für mich plötzlich und unerwartet, also wie nicht gesucht und doch gefunden. Und da es mir schwerfällt einfach nur von "ihr" zu sprechen, erfinde ich jetzt einfach mal einen Namen: Michaela

Michaela und ich hatten meines Erachtens Gefallen aneinander gefunden, jedenfalls habe ich entsprechende Signale wie "zufällige" Berührungen, ein Lächeln etcpp so wahrgenommen. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich verheiratet bin. Also ich habe es wirklich ausgesprochen und nicht nur auf meinen Ehering gedeutet.

Jedenfalls habe ich mich in Michaela verliebt und ich glaube, daß Sie sich auch in mich verliebt hat. Auf einmal stellten sich mir Fragen im Kopf, die ich nie hatte. Vor allem der bis dato nie dagewesene Wunsch nach eigenen Kindern. Wenn ich alles, was in meinem Kopf so rumschwirrt auf etwas Wesentliches runterdrücke, dann komme ich immer wiederauf dieses Thema zurück.

Ich war so verliebt, daß ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich wollte meine Frau nicht betrügen, also wollte ich gedanklich frei sein und habe meiner Frau vor drei Wochen gesagt, daß ich sie für Michaela verlassen werde. Das habe ich ohne Sicherheitsleine gemacht, denn der "normale" Verlasser hätte seine neue Herzdame wohl erst gefragt, wie seine Aktien stehen. Das habe ich nicht gemacht. Ich wollte erst frei sein, bevor ich Michaela fragen wollte, wie es überhaupt um uns steht.

Kurzum, ich bin nicht ausgezogen, sondern die eheliche Wohnung wurde in eine WG umgebaut. Dabei blieb es jedoch nicht, denn noch am gleichen Tag wurde alles wieder zurückgebaut. Ich kam mir so schäbig vor, und irgendwie fühlte sich das einfach falsch an.

Ich prügele mich selber dafür, daß meine Frau in den letzten drei Wochen nicht wirklich wußte, ob wenn sie morgens das Haus verläßt ich abends noch da sei.

Nun, dennoch habe ich mich mit Michaela weiter getroffen und habe sie dann auch gefragt. Fast wie ein Teenager a la "Willst Du mit mir gehen?". Und schwupps, wie Kasper aus der Kiste, zauberte Michaela einen Freund (glaube ich Ihre jetzt mal) aus der Retorte. Mein Gefühl sagt mir, daß sie mich liebt oder zumindest sehr mag, aber sie hat einfach Angst vor der eigenen Courage.

OK - Thema ist also erledigt, weil irgendwie muß das Leben weitergehen und auch wenn Michaela mittlerweile nicht mehr den Platz in meinem Herzen hat, den sie mal hatte und ich derzeit fast pausenlos diese Situation mit meiner Frau diskuttiere, weil ich wiklich an der Beziehung von meiner Frau und mir arbeiten will, so blieben die Fragen offen.

Eigene Kinder (also keine Pflegekinder), Freiraum (also nicht unbedingt Trennung, aber für ein paar Monate eine eigene Bude), auf die Kacke hauen (alleine zum Karaoke gehen und schauen, wie mein Marktwert noch ist) und so weiter. Alles das, was eine Midlife Crisis wohl so ausmacht.

Das ist die Geschichte bis hierher und der Stand von heute:
Michaela ist abseits ein Thema (Liebeskummer halt), meine Frau und ich können sehr entspannt reden und auch Sex haben wir wieder. Sie wirft mir das alles nicht vor, denn Sie hatte eine ähnliche Erfahrung selber mit ihrem ersten Mann. Da hatte sie sich in jemand anders verliebt.

Dennoch werde ich einen Psychotherapeuten aufsuchen, denn es kreisen zwar keine dunkle Wolken mehr in meinem Kopf herum, aber ich bringe es zB noch nicht fertig meiner Frau zu sagen, daß ich sie liebe. Ich mag sie sehr, mehr kann ich nicht zur Zeit. Ich brauche einfach Hilfe dabei, meine Gedanken zu sortieren.

Wir beide wollen daran arbeiten, daß es nicht unbedingt so wird wie vorher, aber halt wieder einen gewissen Grad der Normalität erreicht. Deswegen habe ich meiner Frau ein Versprechen gegeben:

a) Keine eigenen stillen Entscheidungen treffen, sondern reden, wenn was nicht stimmt, auch wenn es Schmerz verursacht.
b) Den Willen zu haben die Ehe zu retten.

Wenn sich am Ende der Therapie heraus stellt, daß ich mich einfach für mein Seelenheil trennen muß, erst dann könne Sie das irgendwie akzeptieren, auch wenn es ihr sehr weh tut. Einfach "nur so" zu gehen, wäre nicht richtig und ich stimme ihr dabei zu.

Ich werde nicht weglaufen!

 
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Re: Midlife Crisis und die Folgen ... (Punkte: 1)
von aborigine am Montag, 13.August. 2007 @ 16:44:31 CEST
(Userinfo | Artikel schicken) http://
Hey,

Junge, junge du hast aber echt Mut. Du bist ein Mann der zu seinen Taten steht. Alle Achtung!! Danke dass es dich gibt. Wenn es dich wirklich so gibt. Du gibst mir neue Hoffnung auf eine doch noch eventuell gute Beziehung. Du läufst nicht davon und du hast nicht betrogen, und du hast vorher klare Verhältnisse geschaffen, na ja, zumindest versucht... Also Hut ab.
Dazu gehört natürlich auch eine Frau die entsprechend reagiert. Und das hat deine Frau. Ich beneide euch. Meinem Gefühl nach gehört ihr zusammen. Und das Thema Beziehung schläft langsam ein ist doch ein unendliches Thema in der heutigen Zeit. Ich meine einerseits wollen wir die endlos kribbelnde, immer noch heiße Beziehung und andererseits sind wir doch alle klug genug zu wissen dass so etwas nicht möglich ist. Alles wird Gewohnheit, einfach alles, so sind wir Menschen geschaffen. Es ist ein Teil, ein natürlicher Teil von uns dass wir uns an alle Situationen gewöhnen. Ich bekomme manchmal Angst, wenn ich sehe was wir von Beziehungen erwarten. Das einzigste was wir wirklich tun können ist den Partner zu lieben, zu respektieren und mit ihm ein gutes Leben zu führen. Immer an der Beziehung arbeiten, einfach immer. Und das ist sehr schwer, glaube ich. Meinst du wir sind vielleicht einfach zu doof um zu akzeptieren dass es die Liebe für ein ganzes Leben einfach nicht gibt bei menschlichen Wesen die sich ständig weiter entwickeln? Ach, Mensch ich werd noch irre bei diesem Thema.
Gruß
abori


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