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kann ein mensch abhängig machen?
nachdem ich mich hier lange ungeschaut und mich angemeldet habe, möchte ich euch gerne meine geschichte in groben zügen erzählen.
es sind heute 5 wochen seit ich mich von meinem "freund" getrennt habe. ich schreibe dies in anführungszeichen, weil ich mir im nachinein gesehen nicht mehr sicher bin, ob er das auch jemals war.
unsere "beziehung" dauerte 6 jahre. in diesen 6 jahren gab es bereits ein paar trennungen. vor etwa 1,5 jahren ging er dann einmal (so viel ich weiß) fremd. er gestand es mir nach hartnäckigem nachfragen und obwohl ich im herzen wusste, was los war, glaubte ich, dass es mich zerreißt als ich die worte aus seinem mund hörte. ich war überzeugt, diesen schmerz, diese einsamkeit, dieses unverständnis das mich in den darauffolgenden tagen überrollte nicht überleben zu können ...
... die tage vergingen und wenn ich jetzt zurückblicke, weiß ich nicht einmal mehr genau wie viele tage es waren, ich erinnere mich nur wieder an diesen übermächtigen schmerz. der gedanke daran, dass er jetzt gerade vielleicht jemand anderen berührt machte mich krank. ich musste sogar urlaub nehmen, denn ich brachte in der arbeit nichts mehr zustande. ich war nicht in der lage klar zu denken, geschweige denn mich zusammen zu nehmen um zu arbeiten. jede faser meiner existenz schrie nur noch nach ihm. er sollte kommen und sagen, dass alles wieder gut war. er sollte mich erlösen. ich wollte ihn nur noch zurück. doch die tage vergingen und er kam nicht.
irgendwann war ich abgestumpft. ich fühlte nach einer weile endgültig nichts mehr. keine freude wenn die sonne schien, keine traurigkeit wenn es regnete - nur noch gleichgültigkeit. ich wollte sterben. einfach einschlafen und nie mehr aufwachen. was sollte das leben, wenn es solch einen schmerz zu ertragen gab?
doch eines tages, als ich schon glaubte, alles wäre verloren, stand er vor meiner tür. er stand einfach da, mit glasigen augen und diesem hundeblick, den ihr sicherlich aus all diesen schnulzigen liebesfilmen kennt. wer kann da schon nein sagen? obwohl ich ahnte, dass diese nicht erste trennung auch nicht die letzte sein würde, überkam mich bei diesem anblick die sehnsucht.
also versuchten wir es nocheinmal und dies war der größte fehler meines lebens ...
das dümmste, dass ich jemals tun konnte, denn nun sitze ich wieder alleine hier. nach monaten, in denen ich mich bemüht und gehofft habe, alles wieder hinzukriegen, hat er es wieder getan. er kam eines samstags um 7:30 in der früh nach hause, mit einem riesigen knutschfleck am hals und meinte mir dazu nichts erklären zu müssen.
tja, was darauf folgte könnt ihr euch denken: das ganze paket nochmal von vorn. alle verdrängten gefühle, schmerz, hass, wut, traurigkeit, hilflosigkeit schmetterten wie riesige hämmer auf mich ein - es warf mich 1,5 jahre zurück. ich weine, ich schreie, ich musste mich letztens sogar ohrfeigen, damit ich nicht verrückt werde, damit ich diesen inneren schmerz irgendwie nach aussen leite und damit es mich nicht vom herzen heraus sprengt.
trotz all diesem leid, trotz nunmehr wieder 5 wochen depression und verzweiflung an der nur ein mensch schuld ist, kann ich nicht von ihm lassen. ich würde ihn zurücknehmen, wenn er käme. ich würde mich auf das gleiche spiel warscheinlich noch ein weiteres mal einlassen....
ich habe angefangen mich mit diesem thema genauer auseinander zu setzen und bücher und artikel zu lesen. hierbei stieß ich auf das beste buch, das ich zu diesem thema bisher fand "liebe und abhängigkeit" von howard m. halpern.
er vergleicht hier zerstörerische beziehungen mit abhängigkeit, ähnlich wie bei einem alkohol- oder drogenabhängigen. du weißt, dass es dich zerstört, dein verstand warnt dich sogar davor aber die sucht (hierbei das herz, das gefühl, die liebe oder wie ihr es auch nennen wollt) ist stärker. deshalb kann man von bestimmten menschen nicht die finger lassen.
nach intensivem studium, überlegungen und tagelangem grübeln, vergleichen und abwägen, bin ich für mich zu dem schluss gekommen: ich bin abhängig. ich brauche diese droge H. ich bin depressiv, niedergeschlagen, motivationslos, ich habe teilweise körperliche schmerzen alleine bei dem gedanken, dass er nicht mehr hier ist geschweige denn bei jemand anderem. ich fühle mich wertlos, nicht würdig gemocht zu werden, mein selbstwertgefühl ist bei null. ich weiß aber auch, wie sich dies ändern könnte. ein wort genügt. ein nettes wort aus seinem mund und ich würde auferstehen wie phoenix aus der asche - obwohl ich weiß, es würde nicht lange anhalten. es würde so lange halten, wie er dazu lust hat - wenn er das interesse verliert, würde er mich wieder in den dreck fallen lassen. und trotzdem fällt es so schwer das durchzustehen...
ich weiß, ich habe noch einen langen weg vor mir, wenn ich das endgültig klären möchte und ich weiß, dass diese reise nicht leicht werden wird denn es ist jetzt schon so hart. aber ich weiß auch, dass ich nicht wieder in diesen sumpf aus selbstmitleid, wertlosigkeit und depression zurück will - denn man verliert sich zu schnell selbst darin. und dieses opfer sollte niemand, der dich so verletzt wert sein.
ich weiß, ich habe nun viel geschrieben und noch lange nicht alles erzählt aber ich möchte nun hier schluss machen.
ich danke dir, dass du dir die zeit genommen hast, meinen artikel bis hier hin zu lesen. vielleicht hilft er dir, dich wenigstens nicht so einsam zu fühlen - denn du bist nie allein. und wenn du das bedürfniss hast, mit jemandem zu reden oder einfach nur deine meinung zu diesem artikel abgeben willst, dann schreibe mir auch gerne per mail. denn ich weiß, dass es gut tut, seine gedanken mit jemandem teilen zu können.
ich wünsche dir und mir noch viel kraft, egal für welche lebensprüfungen du die brauchen kannst. viel mut, diese anzupacken und noch mehr geduld, die lange reise durchzustehen.
ich freue mich auf rückmeldung!
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