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| Freundschaft: gibt es freundschaft überhaupt? |
[Samstag, 09.März. 2002 @ 21:52:43 CET] |
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Geschrieben am Samstag, 09.März. 2002 @ 21:52:43 CET von EigenSinnLich
Erstellt von EigenSinnLich |
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aus beruflichen gründen bin ich sehr oft umgezogen, zu oft. 15x insgesamt. langjährige freundschaften kenne ich nur aus erzählungen, denn alle freundschaften, die ich hatte, hielten sich noch maximal zwei, vielleicht drei jahre nach einem umzug, und dann war's das. ich habe eine freundin, bei deren hochzeit ich trauzeugin sein soll. ich war sehr froh und auch stolz, als sie mich damals darum bat, und ich dachte, dass sie sich das gut überlegt hat, dass sie weiß, wie ich bin - und wie nicht. es ist mir gänzlich egal, wie andere menschen, die mich nicht kennen, mich beurteilen
. ich bin neid schon immer gewohnt gewesen, und irgendwann schafft man sich einen schutzmantel an und läßt sich durch mißgünstiges verhalten nicht mehr verletzten. anders aber ist es, wenn ich jemanden an mich heranlasse, wenn ich ihm vertraue. da ist mir die meinung des anderen sehr wichtig, und mir liegt viel daran, dass der andere mich richtig einschätzt. mich mit meinen stärken und schwächen, mich mit meinen guten seiten und meinen fehlern. doch vor einigen tagen überraschte mich meine freundin. aufgrund eines mißverständnisses entdeckte ich, dass sie bei mir ein verhalten zu sehen glaubte, das mich zutiefst entsetzte und auch verletzte. um was es sich dabei handelt - ist nicht weiter wichtig, nur soviel, wäre ich so und würde ich mich so verhalten, würde ich mich vor mir selbst ekeln. sie meinte, dass es wohl für mich mehr oder minder normal wäre, und gab der ganzen sache kein größeres gewicht. das ist es, was mich am meisten schockierte. wäre ich an ihrer stelle und würde von einem anderen menschen, mit dem ich befreundet bin, jemand, die meine trauzeugin sein soll, annehmen, dass sie ein menschliches arschloch sei, so könnte ich sie beim besten willen nicht zu meiner trauzeugin machen. da ich ein sehr emotionaler mensch bin, habe ich gelernt, meine ganzen emotionen nicht immer sofort geballt herauszulassen. manchmal ist es besser, ein wenig abstand zu haben, damit man nicht sofort alle türen zuwirft und unnötig porzellan zerscheppert. also fragte ich im bekanntenkreis nach, wie es bei ihren freundschaften ausschaut.
alle erzählten begeistert, wie toll ihre freundschaften sind und schon immer waren. doch nach längerem bohren kam heraus, dass sie fast alle schon von ihren freunden enttäuscht wurden oder diese auch enttäuscht haben, dass viele freundschaften zweckgemeinschaften sind, weil man etwas zusammen unternimmt, einseitige freundschaften, weil nur einer vertrauen kann, freundschaften, weil es eben so seit jahren ist. wenn ich nun in mich gehe, so habe ich sehr wohl die möglichkeit zu verzeihen. freunde machen das. ich auch. aber führe ich das weiter, dann stellt sich mir folgende frage: wo bitte hört verzeihen auf, und wo fängt selbstbetrug an? ist es wirklich freundschaft, wenn ich akzeptiere, dass meine freundin etwas über mich denkt oder gedacht hat, was nicht wahr ist und - ganz im gegenteil - mich sogar anwidert? meine freundschaftserfahrungen sind relativ begrenzt. es dauert, bis ich jemanden als freund sehe und bezeichne. und wie eingangs erwähnt, haben sich freundschaften aufgrund meiner häufigen umzüge nie sehr lange gehalten, da sie auch wegen der dauer, eine große entfernung nicht wirklich lange "überlebten". deswegen frage ich hier in die runde - ist es normal, dass freunde sich verletzen, ist es normal, zu verzeihen, wenn man es eigentlich nicht versteht, ist das wirklich freundschaft? gibt es freundschaft überhaupt?
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| Re: gibt es freundschaft überhaupt? (Punkte: 0) von Anonymous am Samstag, 09.März. 2002 @ 23:25:38 CET | Durch nichts wird eine Freundschaft oder eine enge Beziehung leichter begründet oder gefestigt als durch Lachen und Weinen; Menschen, die zusammen gelacht oder geweint haben, können sehr leicht gute Freunde werden...
Lieben Gruss
Friedel alias Rainbowkid |
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Re: gibt es freundschaft überhaupt? (Punkte: 1) von Astra am Mittwoch, 13.März. 2002 @ 20:59:29 CET (Userinfo | Artikel schicken) http:// | Hallo EigenSinnLich,
Du sagst, dass für Dich die Meinung des Anderen wichtig ist, dass man Dich richtig einschätzt, Dich mit Deinen Stärken, Schwächen, guten und schlechten Seiten akzeptiert.
Was hat Deine Freundin jetzt „falsch“ gemacht? Sie hat Dich nicht richtig eingeschätzt. Ich weis nicht, was das für eine Sache sein muss, dass Du Dich dann selbst als "menschliches Arschloch" bezeichnen würdest. Sie sah es ja anscheinend als nicht so schlimm an. Das ist aber etwas, was Du mit ihr sehr leicht klären kannst.
Was ich aber, in Bezug auf Euere Freundschaft, viel wichtiger finde ist, dass sie der "Sache" kein größeres Gewicht beimisst. Dass sie Dich anscheinend so sehr mag, dass sie es akzeptiert hat und Dich trotzdem als Freundin nicht verlieren möchte.
Wer ist jetzt aber eher eine Freundin? Sie, die Dich mit einem vermeintlichen Fehler akzeptiert und nicht verlieren möchte. Oder Du, die diesen Fehler nicht akzeptieren könnte und die wegen eines Missverständnisses so verletzt ist, dass sie meint verzeihen zu müssen und diese Freundschaft in Frage stellt.
LG Astra :-)
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Re: gibt es freundschaft überhaupt? (Punkte: 1) von henry am Sonntag, 09.Juni. 2002 @ 18:37:56 CEST (Userinfo | Artikel schicken) | | Ich glaube schon, dass es freundschaft gibt. Es gibt sie jedoch nicht im idealisiertem Sinn. Nicht aufopfernd, nur für den freund da sein, selbstverleugnend. Nein freundschaft ist menschlich. freundschaft ist daher wie der mensch selbst, herzlich,l liebevoll, amüsant, aber auch vergesslich, intollerant, neidisch. wie du, liebe schreiberin streng zu dir bist, so streng bist du auch mit freunden. gelassenheit im umgang mit menschen ist der schlüssel zum glück. gelassenheit, nachsicht und liebe - liebe im sinne, den menschen insgesamt zu akzeptieren, auch mit seinen fehlern zu schätzen. |
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Re: gibt es freundschaft überhaupt? (Punkte: 1) von Rahm am Sonntag, 11.Juli. 2004 @ 19:12:18 CEST (Userinfo | Artikel schicken) http:// | Es gibt keine Freundschaft. Leute melden sich bei Dir nur, wenn sie was brauchen und Du derjenige bist, der es ihnen bietet. Sie rufen an um zu plaudern, weil sie nicht alleine sein wollen, um jemanden zum Quatschen zu haben.
Mein bester Freund, ich kannte ihn fünf Jahre lang sehr gut, hatte innigen Kontakt zu ihm. ich bin ein guter Junge, ehrlich, gebildet, unvermögend. Er älter, reicher, erfahrener, gerissener. Nach fünf Jahre stellte ich fest, dass er mich nur als Laufburschen verwendete. Meine Freundin meinte, ich soll ihn mal nicht anrufen...
Er ist zwölf Jahre älter, ich dachte mir nichts dabei. Er rief nie an, sondern ich immer. Ich war interessiert, weil er mir sympathisch war. Aber zuerst hatte er mich nur verwendet, um seine damalige Ehe zu retten als Spion in der Famillie seiner Ex- Schwägerin. Dann für kleine Hausarbeiten. Seine Eltern stellte er mir nach vier Jahren vor. Ich musste alles machen. Er gab mir immer Snickers und solche Sachen. Dann benutzte er mich, um seine jetzige Frau zu behalten. So mußte ich ihn decken, lügen, er hätte nicht gesoffen usw.
Es gibt keine Freunde, außer man hat Glück und trifft auf einen ehrlichen typen wie mir. |
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