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EQ: Ich brauche Hilfe in einer Lebenskrise [Mittwoch, 13.April. 2005 @ 14:52:59 CEST]
Geschrieben am Mittwoch, 13.April. 2005 @ 14:52:59 CEST von rosalie
Erstellt von rosalie
Emotionale Intelligenz

Hallo, vielleicht gibt es ja jemanden da draußen, der mir in/aus meiner momentanen Situation helfen kann.

Ich bin 28, habe einen gut bezahlten Teilzeitjob und bin seit eineinhalb Jahren in einer wunderbaren Beziehung, die von einigen Aufs und Abs geprägt ist, die ich aber für völlig natürlich halte. Eigentlich könnte alles sehr gut laufen und ich sollte zufrieden sein und mich den schönen Dingen des Lebens freuen. Dennoch sitz ich nun hier und mir laufen die Tränen übers Gesicht. Ich habe das Gefühl, daß mir jegliche Lebensfreude von Tag zu Tag mehr verloren geht.



Ich fühl mich leer, kraftlos, ausgebrannt, nicht mehr fähig positive Dinge zu erkennen und zu genießen und verfalle völlig dem Pessimismus. Der Hang dazu war zwar schon immer da, aber es hat mich noch nie so belastet wie im Moment. Wobei ich mich selbst unwahrscheinlich stark unter Druck setze. Der Druck, alles richtig machen zu wollen. Sei es beruflich oder privat. Und je mehr Mühe ich mir gebe, desto schlimmer wird alles. Warum auch immer, aber ich kann noch eine Menge Energie aufbringen, um für die Außenwelt den Schein zu wahren, was mir meistens ziemlich gut gelingt. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem alles über mich einstürzt, ich mich nicht mehr zusammenreißen kann, ich einfach nicht mehr weiter weiß, ich mich wertlos fühle, ich von mir als Person alles andere als überzeugt bin. Ich an mir, so wie ich bin, selbst erhebliche Zweifel habe. Und ich komme dagegen nicht an. Es hat ein wenig von Selbstzerstörung. Dies wirkt sich natürlich auch auf meine Beziehung aus. Natürlich hat mein Partner keine Lust, sich ständig von mir runterziehen zu lassen, gegen meine Schwarzmalerei anzukämpfen und mich immer wieder aufzubauen. Und auch wenn ich es tue, ich kann es nicht von ihm erwarten. Ich bin nicht in der Lage mich mit oder für ihn zu freuen, geschweige denn, ihm für seine Pläne ein wenig Unterstützung zu bieten. Und es macht mich wahnsinnig, daß ich ich nicht weiß, wo dieses Denken und diese Gefühle herkommen. Ich kann sie nicht erklären, da meine Lebensumstände nicht darauf schließen lassen.

Eine gute Freundin hat mir geraten, mal eine Therapie zu machen, da ich einige Dinge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten habe, womit sie sicherlich nicht ganz unrecht hat. Aber es muß doch auch anders gehen.



 
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Re: Ich brauche Hilfe in einer Lebenskrise (Punkte: 1)
von angelheart am Mittwoch, 20.April. 2005 @ 19:54:54 CEST
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Liebe rosalie,
ich kenne diese Gefühle gut, die du beschreibst. Ich glaube auch, Ende 20 ist so eine Zeit, in der man viel über sich selbst nachdenkt und versucht, sich selbst zu finden und da kommen öfters solche Gefühle auf. Ich glaube, es wäre tatsächlich am besten für dich, mal zu einer Beratungsstelle oder
zu einem Arzt oderTherapeuten zu gehen und davon zu erzählen. Man kommt da schwer alleine wieder heraus. Ich versuche mir in solchen Situationen immer wieder vorzusagen, ich bin ein wertvoller Mensch, mein Leben hat einen Sinn, ich werde wieder Freude am Leben haben... . Und ich versuche, die Gefühle und Gedanken in mir zuzulassen und trotzdem alles zu tun, was ansteht.
Ein Buch zum Thema "Selbstliebe" von Nina Larisch -Haider: "Von der Kunst, sich selbst zu lieben" gibt, meiner Meinung nach auch gute Impulse. ´Vielleicht sind das ein paar Anregungen für dich. Ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht!

Liebe Grüße, angelheart


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Ich brauche Hilfe in einer Lebenskrise (Punkte: 1)
von mydreamcatcher am Donnerstag, 21.April. 2005 @ 20:06:11 CEST
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Liebe Rosalie,
deine kurze Geschichte hat mich unglaublich an meine eigene Situation von noch bis vor einigen Monaten erinnert und vielleicht kann ich dir einige Anregungen geben. Ich kenne das leere und drückende Gefühl, wenn man schon beim Aufstehen unglücklich ist, man selbst alte und gute Freunde nicht mehr verstehen kann und sich von allen unverstanden fühlt. Wenn man nur noch müde ist, sich schwer fühlt und sich auch an kleinen Dingen nicht mehr freuen kann, da man schöne Dinge kaum mehr sieht. Diese Phase hat bei mir ein Jahr lang gedauert, in dem ich mich einfach nur durchhängen lassen habe und versucht habe mich wieder auszugleichen. Das Problem das sich dann ergab,war allerdings, dass ich alle anderen Dinge so vernachlässigt hatte, dass ich quasi, als ich endlich wieder dazu bereit war ein glückliches Leben zu führen, mein gesamtes Leben neu aufbauen musste und immer noch dabei bin.
Was ich dir gerne sagen möchte, ist, dass ich herausgefunden hab, dass zumindest bei mir ein großer Teil meines Denkens, meiner Selbstzweifel, meiner Unzufriedenheit und im Endeffekt meiner Depression daran lag, dass ich schon vorher nicht wirklich glücklich war, sondern mir das immer nur eingeredet hatte und alles nicht richtig wahrgenommen hatte. Ich habe mich selbst und andere immer nur "unwirklich" wahrgenommen und als sich plötzlich grundlegende Dinge in meinem Umfeld geändert haben, ist plötzlich die ganze Fassade eingestürzt. Das sind aber Erkenntnissen, die ich erst vor kurzem bekommen habe, während dieser Zeit habe ich immer nur gesehen, dass es mir selbst nicht gut geht und habe mich immer weiter in Selbstmitleid und Depressionen hereingeritten, habe nicht verstanden warum das alles so war, habe kleine Dinge meines Lebens als Gründe genommen dass es mir immer schlechter ging. Von meiner damals langjährig besten Freundin habe ich Unterstützung erhofft und habe fast schon darauf gebaut, dass sie mir aus meiner Krise heraushilft.
Und da ist der Punkt wo du STOP sagen musst. Du bist der einzige Mensch der dir helfen kann. Denk mal drüber nach: Bist du wirklich glücklich? Wo sind Punkte in deinem Leben wo du Kompromisse machst, deine innere Stimme absichtlich überhörst? Vielleicht befindet sich wirklich ein unterdrücktes Gefühl in deinem Innern, das nicht zulässt dass du glücklich bist, das dich darauf aufmerksam machen will, dass du in irgendeinem Bereich deines Lebens eine Veränderung brauchst, das dir Antrieb zu einem Neuanfang geben will. Denn aus Erfahrung sage ich dir, dass wenn du diese Phase überwunden hast, und das wirst du schaffen (!!) werden zwar viele Dinge absolut anders sein als vorher, aber du kannst sozusagen einen "Hausputz" veranstalten und "aufräumen", "neu aufbauen" und hinterher wirst du wieder glücklich sein. Wenn auch anders. Hab nur keine Angst vor der Veränderung und versuche sie als positives Zeichen aufzufassen und vor allem alle Gefühle zuzulassen. Versuche dich selbst kennenzulernen und herauszufinden, welche Dinge zum Auslöser werden dich unglücklich zu machen.
Scheu dich aber nicht davor einen Therapeuten aufzusuchen. Er kann dir nur helfen und eventuell auch schneller zu einer Besserung verhelfen.
Hoffentlich konnte dir das ein kleines bisschen helfen und ich wünsche dir ganz viel Glück und Mut für deinen Weg!
mydreamcatcher


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Re: Ich brauche Hilfe in einer Lebenskrise (Punkte: 1)
von native am Samstag, 29.Oktober. 2005 @ 16:16:00 CEST
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Liebe Rosalie,

Du selbst - oder wenn es Dir lieber ist, Dein Gehirn hat Dein ganzes bisheriges Leben aufgezeichnet. Neunzig Prozent der Daten sind Dir nicht zugänglich, aber dennoch sind sie da und wirksam. Sie machen Dich einzigartig, enthalten Deine Fähigkeiten, das, was Du magst und das, was Du ablehnst. Stell es Dir so vor, als könntest Du darin mit einer Taschenlampe nach Momenten suchen, in denen Du glücklich warst. Im nächsten Schritt kannst Du Dir Gedanken darüber machen, was dieses Gefühl heute in Dir bewirken könnte.

Auch wenn es dem Verstand nicht gegenwärtig ist, etwas in Dir weiß, dass Du noch nicht gefunden hast, was Du Dir wirklich wünschst - oder dass zumindest noch etwas Wesentliches fehlt. Im Laufe der letzten paar Tausend Jahre haben wir einiges an natürlichem Selbstverständnis eingebüßt. Unsere Instinkte aber funktionieren noch. Um für uns selbst aktiv werden zu können, muss der Verstand erfassen was uns wirklich wichtig ist und wo wir unsere Lebensaufgabe möglichst gut und erfolgreich erfüllen (erfolgreich im Sinne von glücklich, alles andere würde ist nicht als erfolgreich bezeichnen).

Die Formel ist ganz einfach:
Tue ich das Richtige, geht es mir gut
Tue ich das Falsche, geht es mir schlecht

Verstehe es nicht als Depression, verstehe es als Signal, als Aufforderung zur Tat, die Du an Dich selbst geschickt hast, indem es Dir mit dem, was Du bisher getan hast, nicht so gut geht. Stimme Dich auf das Abenteuer der Selbstentdeckung ein, denn nur so wirst Du finden, was Du brauchst, um ein erfülltes Leben zu führen. Die Antwort ist in Dir, sie will nur noch gefunden werden.

Wenn jemand an Dich mit etwas herantritt, sag nicht gleich zu. Es ist legitim, über Entscheidungen nachzudenken. Erst wenn Du Dir vorstellst wie es sich anfühlen wird, der Bitte zu entsprechen und Du bist damit voll einverstanden weil Du es gerne tust, solltest Du zusagen. Lobe Dich jedes Mal, wenn Du "nein" zu etwas sagen konntest, das Du nicht willst, das sind große Momente. Sei stolz auf Dich, wenn Du in den Spiegel guckst und "trotzdem" lächelst. Tu es aber auch :-).

Was Deinen Partner betrifft, sind Männer an diesem Punkt oft überfordert. Wenn sie kommunizieren, geht es nicht darum, Gefühle auszutauschen. Frauen wollen, wenn sie so eklig sind, eigentlich nur erreichen, dass der Partner einen Eindruck davon gewinnt, wie sie sich fühlen. Der Mann hingegen würde die Botschaft besser verstehen, wenn Du versuchst, Deine Gefühlseindrücke in Worte zu fassen, die er nachvollziehen kann. Er wird darauf besser reagieren, weil dabei seine Gefühle nicht beeinträchtigt werden. Das macht ihn zu einer besseren Stütze.

Der weitere positive Effekt, der dadurch eintritt ist jener, dass Du über Deine Stimmungen nachdenken musst, wenn Du sie so konkret wie möglich in Worte fassen willst. Damit näherst Du Dich deren Ursachen und gewinnst wieder ein Stück Selbsterkenntnis. Freue Dich an kleinen Schritten, widme den positiven Momenten besondere Aufmerksamkeit, genieße sie. Es sind die vielen kleinen Momente, aus denen sich unser Leben zusammensetzt. Und in jedem Moment können wir uns neu entscheiden.

Ob eine Therapie bei Dir anschlägt, hängt davon ab, wie weit Du bereit bist, Dich auf Dich selbst einzulassen. Wir fürchten das Unbekannte, und damit auch das, was wir an uns selbst nicht kennen. Für den meisten Müll in unserem Kopf sind wir nicht selbst verantwortlich und keiner kann und wird uns dafür verurteilen. Wir fürchten dieses Unbekannte an uns nicht mehr, wenn wir es erschlossen haben. Vielmehr verstehen wir dann unser eigenes Verhalten besser und können es auch leichter in eine positive Richtung lenken. Dafür das zu erreichen wünsche ich Dir die Kraft.


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